Bei seiner Predigt im Berliner Olympiastadion hat Papst Benedikt XVI dieses Lied Christoph Bernhard Verspoells erwähnt, im Zusammenhang mit einer Anmerkung, in der er das selbstverschuldete "Leiden an der Kirche" thematisiert.
Wenn ... der Blick auf das Negative fixiert bleibt, dann erschließt sich das große und tiefe Mysterium der Kirche nicht mehr. Dann kommt auch keine Freude mehr über die Zugehörigkeit zu diesem Weinstock "Kirche" auf. Es verbreiten sich Unzufriedenheit und Missvergnügen, wenn man die eigenen oberflächlichen und fehlerhaften Vorstellungen von "Kirche", die eigenen "Kirchenträume" nicht verwirklicht sieht! Da verstummt dann auch das frohe "Dank sei dem Herrn, der mich aus Gnad´ in seine Kirch´ berufen hat", das Generationen von Katholiken mit Überzeugung gesungen haben.Dieses Lied ist nun auch im "Gotteslob" "verstummt". In den Hauptteil des Gotteslobes ist das Lied nicht mehr aufgenommen worden, es findet sich nur teilweise noch in den Diözesanteilen und dort häufig in einer Weise umgedichtet, daß man den ursprünglichen Sinn des Textes kaum noch erkennen kann. So wird der Text etwa im Mainzer Diözesanteil gewissermaßen ekklesiologisch ausgedünnt. Wo es bei Verspoell heißt : "Sie (die Kirche) soll mich allzeit gläubig sehen, und folgsam ihren Lehren", heißt es in Mainz "Ich will den Weg des Glaubens gehen, und folgen Gottes Lehren". Statt "Nie will ich von ihr (der Kirche) weichen" liest man da "ihm (Gott) will ich allzeit leben." Da wird ökumistig, was ökumenisch gedacht war. Daß die Määnzer nur den ersten, auch noch verstümmelten Vers bieten, zeigt die bemerkenswerte Lieblosigkeit, mit der die Verfasser kirchenamtlicher Liederbücher mit katholischem Liedgut verfahren.
Den Liederbuchmachern des 19. Jahrhunderts, die diesen Text selbstverständlich aufnahmen, war eher daran gelegen, die ekklesiologische Botschaft des Liedes noch einen Tick stärker zu betonen, Joseph Mohr etwa macht aus dem "in seine Kirch´" ein "Zur Wahren Kirch´", womit dann klargestellt wäre, was mit der "Kirch´" gemeint ist.
Die Popularität des Liedes drückt sich darin aus, daß es mehrere alternative Melodien gibt - die heute gebräuchliche geht auf Bierbaum zurück - und eine kaum noch überschaubare Zahl von Ergänzungen und Umdichtungen. Verspoell selbst hat das Lied unter das Kapitel "Lieder zum Fronleichnamsfeste" eingeordnet, sein Text thematisiert das Heilige Meßopfer, und nicht, wie die erste Zeile erwarten läßt, die Taufe.
- Fest soll mein Taufbund immer stehn, / Ich will die Kirche hören. / Sie soll mich allzeit gläubig sehn / und folgsam ihren Lehren / Dank sei dem Herrn, der mich aus Gnad / In seine Kirche berufen hat; / nie will ich von ihr weichen.
- Du Gottmensch bist mit Fleisch und Blut / Wahrhaftig hier zugegen, / Und dein Genuß, o höchstes Gut! / Bringt meiner Seele Segen. / Dir, ew´ge Wahrheit! glaube ich; / In diesem Glauben stärke mich, / Bis ich dich ewig sehe.
- Dein Fleisch und Blut wird meinem Geist´ / Im Guten Stärke geben; / Und führt mich wie´s dein Mund verheißt, / Gewiß zum ew´gen Leben. / Dir, güt´ge Allmacht traue ich; / In dieser Hoffnung stärke mich, / bis ich dich einst besitze.
- Du littest, starbst, und setztest ein / ein Denkmal dieser Liebe, / Daß du ganz mein und ich ganz dein / In Ewigkeit verbliebe. / Mein Jesu! liebvoll dank ich dir, / Vermehre deine Lieb´ in mir; / Laß mich dich ewig lieben.
- Fest soll mein Taufbund immer stehn, ...
- Dem bösen Feind und seiner Pracht / gelob’ ich zu entsagen; / verachte seine ganze Macht, / will lieber Schmach ertragen. / Ich fliehe alle Werke sein; / sie enden mit der Hölle Pein, / bereiten ew’ge Qualen.
- Die rechten Wege wandle ich, / solang’ ich leb’ auf Erden. / Getreuer Gott, beschütze mich / Und lass mich selig werden! / O mach mich ähnlich Deinem Sohn, / dass ich erhalte meinen Lohn / im Himmel einst auf ewig.
- Fest soll mein Taufbund immer stehn,...
- O Seligkeit getauft zu sein: / In Christus eingesenket! / Am Leben der Dreieinigkeit / Ward Anteil mir geschenket. / Ich bin nun Kirche, Christi Glied, / Ein Wunder ist's, wie das geschieht. / Ich bete an und glaube.
- An Jesu Christi Priestertum / Hab ich nun teil in Gnaden. / Zum Opferdienst, zum Gotteslob / Hat er mich eingeladen. / Ich bin gesalbt zum heilgen Streit, / Bin Christi Königreich geweiht; / ihm will ich leben, sterben.
Das Bild zeigt einen kleinen Ausschnitt aus der astonomischen Uhr im Dom zu Münster, wo Christoph Bernhard Verspoell als Vikar gedient hat.
